Ada Lovelace Festival 2018

05.11.2018

Im Oktober war ich auf einem ganz besonderen Informatik-Event. Eine Kollegin hatte mich auf das Ada Lovelace Festival aufmerksam gemacht, das eigentlich eine Konferenz für Frauen in der Informatik- und Technologiebranche ist. Ada Lovelace ist nicht nur die erste Programmiererin, sondern wird laut Wikipedia sogar als „erster Programmierer“ überhaupt bezeichnet.

Die Agenda ist sehr vielseitig und beinhaltet nicht nur reine Technologie-Vorträge, sondern vielmehr die digitale Entwicklung im Allgemeinen sowie konkrete Produkte, Ideen und Erfolge, die durch neue Technologien möglich werden. Mit großer Vorfreude bin ich also nach Berlin gefahren, um live dabei zu sein.

Unter den Speakern waren viele inspirierende Frauen, die moderne Startups führen und/oder die Umsetzung innovativer Ideen vorantreiben. Es ist ja offensichtlich, dass Frauen in der Informatik bisher eher rar sind, deshalb ist eine Konferenz, die Vorreiterinnen aus der Informatik zusammenbringt, ein einmaliges Erlebnis. Diese Frauen haben ähnliche Situationen in Studium und Arbeit durchlebt und es tut gut zu wissen, dass man damit nicht alleine ist. Es gibt aber auch viele Quereinsteigerinnen, die vorher etwas ganz anderes gelernt haben. Trotz der Hürden haben sie es geschafft, ihre Visionen umzusetzen und Vorbilder zu sein.

Das Thema dieses Jahr lautete „Ideas to change the world“, ein Statement, welches große Erwartungen mit sich bringt. Und diese wurden definitiv erfüllt. Die meisten vorgestellten Errungenschaften können Menschen in schwierigen Situation das Leben erleichtern. Da sind beispielsweise die Eye-Tracking-Software für Schwerbehinderte, die Kommunikations-App für autistische Kinder oder das digitale Förderprogramm für Frauen, die als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind.

Mir ist aufgefallen, dass der Anstoß zu solchen Lösungen oft Probleme sind, mit denen man in seinem privaten Leben zu tun hat und die einen immer wieder vor Herausforderungen stellen. Die App „what3words“ ist beispielsweise entstanden, weil jemand mit seiner Band an vielen Orten gespielt hat, zu denen es keine konkrete Adresse gibt. Das führte oft zu komplizierten Wegbeschreibungen wie „dann die Straße runter bis man das Schild sieht, anschließend in den Hinterhof...“. Die Lösung ist so einfach wie genial, denn mit „what3words“ wird jedes Quadrat von 3x3 m² auf der Erde mit einer Kombination aus 3 Wörtern betitelt, die sich nie wieder ändern werden. So steht beispielsweise an der Tür der Deutschen Bahn AG am Potsdamer Platz die Adresse „lebendig.webseiten.auflösen“. Einmal installiert, lässt sich die App auch offline benutzen, sodass man jederzeit kommunizieren kann, an welchem Fleck der Erde man sich gerade befindet. In der Mongolei, wo ein großer Teil der Bevölkerung nomadisch lebt, wurde das System sogar als offizielles Adresssystem anerkannt.

Auf einer Informatik-Konferenz dürfen natürlich auch Talks über neue Technologien nicht fehlen. Dabei standen Themen wie künstliche Intelligenz, Blockchain oder Neurotechnologie auf dem Programm. Anstatt jedoch jedes technische Detail zu erklären, standen bei den meisten Vorträgen eher das Ziel und der Nutzen im Vordergrund. Dadurch blieben die Präsentationen spannend und auf einer menschlichen Ebene, was mir persönlich sehr gut gefallen hat.

Abschließend kann ich sagen, dass ich an diesen zwei Tagen so viele neue Dinge kennen gelernt habe, dass ich auf meinem Smartphone bereits drei für mich sehr nützliche neue Apps installiert habe. Das Festival hat mir außerdem Einblick in viele Anwendungsfelder der Informatik gegeben, mit denen ich bisher nicht in Berührung kam und die mir auch nicht bewusst waren. Viele Vorträge waren sogar so emotional, dass ich fast vergessen habe, dass ich mich gerade auf einer Technologie-Konferenz befand! Es war unglaublich inspirierend und ich kann einen Besuch beim Ada Lovelace Festival auf jeden Fall empfehlen.

Carola Christoffel