Branchenkultur

10.04.2018

In den vergangenen Jahren habe ich die Erfahrung gemacht, dass Tischfußball in der IT offensichtlich ein integraler Bestandteil der Branchenkultur ist.
Deshalb war ich auch nicht überrascht, als ich gleich am ersten Tag in meinem neuen Team den subshell-eigenen Kickerraum kennenlernte – und merkte, dass mit der Dauer der Firmenzugehörigkeit auch ein gewisser Professionalisierungsgrad verbunden war.

Ich weiß nicht, wie es sich in anderen Branchen verhält, aber bisher habe ich jedenfalls noch nicht von Schulen gehört, an welchen die Lehrer in den Pausen kickern und ich könnte auch vollends Sympathien für die IG Metall aufbringen, wenn sie in ihren aktuellen Verhandlungsrunden endlich Kickertische für alle Firmen mit mindestens 20 Mitarbeitern zur Forderung erheben würde. Aber dort scheint man das Potential des Kickerns noch nicht erkannt zu haben.

Kein Wunder, dass in Hamburg am 19.01.2018 das weltgrößte Tischfußball-Turnier von einer IT-Firma organisiert wurde. Zum Silpion Kicker-Cup kamen 300 Teams mit insgesamt 1926 Teilnehmern zusammen. Wir von subshell traten gleich mit zwei Teams an, um uns den Gegnern aus ganz Deutschland zu stellen. Natürlich versehen mit ebenso wohlmeinenden wie ganz und gar überflüssigen Tipps der Kollegen. Und mit dem Ehrgeiz, zu beweisen, dass IT-ler einfach besser im Kickern sind als andere Branchen.

Ein Turnier dieser Größe stellte die Organisatoren vor extreme Herausforderungen. Um jedem Team eine Mindestanzahl an Spielen zu ermöglichen, wurde der Turnierablauf in zwei Phasen unterteilt. In der Gruppenphase wurden die Teams per Zufall verschiedenen Gruppen zugeordnet und mussten gegeneinander antreten. Die Abschlusstabelle der Gruppe bestimmte dann die Position in der zweiten Phase. Dies war eine klassische K.-o.-Runde in den separaten Kategorien Profi, Amateur und Hobby. Alle, die in der Gruppenphase die Plätze 1 oder 2 erreicht hatten, kamen in die Profi-Kategorie, die Dritt- und Viertplatzierten wurden Amateure und alle anderen spielten in der Hobby-Runde.

Tatsächlich konnten sich beide subshell-Teams immerhin für die Amateur-Runde qualifizieren. Dabei zahlte sich aus, dass wir im Büro jede Gelegenheit genutzt hatten, um ein paar Spielzüge zu testen.

Für die vorderen Plätze reichte es dann trotzdem nicht. Früher oder später erwarteten uns überraschend übermächtige Gegner, die die Bälle so routiniert und präzise ins Tor krachen ließen, wie ich es wohl erst nach 40-jähriger Firmenzugehörigkeit (und der damit einhergehenden Kicker-Erfahrung) können werde.

Leider habe ich es versäumt, mich bei solchen Gegenspielern zu erkundigen, ob sie aus der IT-Branche sind oder regelmäßig in einer Kicker-Liga spielen. Gut möglich, dass beides der Fall ist und das Turnier als Weiterbildungsmaßnahme durch die Firma unterstützt wurde.

Eine solche Kickerfortbildung wäre auch für uns sicherlich nicht schlecht und nur konsequent - Ich denke, ich sollte das so der Geschäftsführung vorschlagen.

Konrad Schergaut