Tekkie-Talk auf dem Techcamp in Hamburg

27.08.2019

Du warst vor Kurzem auf dem techcamp. Was ist das eigentlich und worum geht es da?

Das techcamp ist eine kleine, lokale Konferenz von Hamburger Softwareunternehmen, die im Herzen von Hamburg in einigen Bars beim Spielbudenplatz stattfindet. Dort kommt die Hamburger IT-Community zusammen, um sich auszutauschen, den Horizont zu erweitern und neue Lösungen zu finden.

Wie bist du eigentlich auf die Idee gekommen, dorthin zu gehen?

Ein alter Schulfreund von mir, der in einer Firma arbeitet, die das techcamp mitveranstaltet, hat mir das Event ans Herz gelegt – wegen der Inhalte und der Location. Ich habe auf der Eventseite geschaut, welche Vorträge dort gehalten werden und ob es mich interessiert. Angesichts der breiten Themenauswahl von a wie agil bis v wie virtuelle Teams und der tatsächlich bestechenden örtlichen Nähe war meine Entscheidung klar.

Wurden deine Erwartungen auf dem techcamp erfüllt?

Mein Ziel war es, etwas zu lernen und mitzunehmen. Das ist auch gut gelungen. Es ist ganz normal, dass die Qualität der Vorträge unterschiedlich ist – und jeder Zuschauer einen eigenen Blick darauf hat. Für mich ist entscheidend, welches Wissen der Vortragende voraussetzt. Wenn der Vortrag zu niedrigschwellig ist, wird er langweilig. Sind die Anforderungen zu hoch, kann der Zuhörer nicht folgen. Aber man findet immer Vorträge, die einen interessieren und bei seinem Wissensstand abholen.

Vormittags gab es klassische Vorträge und am Nachmittag wurde mit dem sogenannten Barcamp-Format gearbeitet. Barcamps sind offene Veranstaltungen, in denen jeder Teilnehmer einen Vortrag halten, einen Workshop anbieten oder eine Diskussionsrunde starten kann. So entsteht ein bunter Themenmix, aus dem sich die Teilnehmer aussuchen können, was sie interessiert. Wenn es mehr Angebote als Time-slots gibt, werden die Themen mit dem meisten Zuspruch ausgewählt. Dieses Format ist natürlich auch mit einem hohen Risiko verbunden: Gibt es genug Vorträge? Hat das Publikum Lust, interaktiv einzusteigen? Für mich war es das erste Barcamp, und aus meiner Sicht hat es sehr gut funktioniert und erstaunliche Einblicke gewährt.

Denkst du, dass dieses techcamp IT-Entwicklern wie dir auch etwas im Job bringt?

Auf jeden Fall. Die IT-Welt ist ständig im Wandel. Es gibt immer eine Menge neuer Technologien, bei denen wir am Ball bleiben müssen. Für mich bedeuten Informatik und Softwareentwicklung lebenslanges Lernen. Auf solchen Konferenzen bekommt man einen Einblick in Technologien, mit denen man noch nicht viel zu tun hatte und das gibt einem Ideen für alternative Lösungswege.

Das klingt ja alles sehr positiv. Würdest du auch nächstes Jahr wieder dahin gehen?

Wenn es nächstes Jahr wieder stattfindet, bin ich dort sehr wahrscheinlich anzutreffen.

Würde sich ein Besuch des techcamps auch für IT-Laien lohnen oder fehlt dann einfach das Vorwissen?

Da die meisten Vorträge von IT´lern für IT´ler gedacht waren, wäre es Laien schwergefallen, ihnen zu folgen. Einem Vortrag über Deployment auf AWS mit einer Menge Live-Coding konnte selbst ich nicht folgen, weil ich über die APIs, die Amazon anbietet, nicht genug weiß. Dieser Vortrag war schon speziell für Leute gedacht, die mit AWS arbeiten. Auf der Konferenz tummeln sich Menschen mit unterschiedlichen Wissenshintergründen, daher ist es für die Speaker selten möglich, alle Teilnehmer gleichermaßen abzuholen.

Was waren für dich die Highlights des Tages, was hast du am spannendsten gefunden?

Es gab normale Vorträge, dann das Barcamp und am Ende immer eine Keynote. Die  Keynotes fand ich zwar nicht am informativsten, aber am spannendsten, da hier besonders erfahrene Speaker die Zuhörenden faszinieren konnten. Sie hatten kuriose Geschichten aus der Industrie zu erzählen und haben interessante Statistiken zum Thema Sicherheit von Webanwendungen, Ärger mit Lizenzen und Cloud Computing gezeigt.

Gab es denn etwas Spektakuläres oder Neues aus der Szene, wovon man vorher noch nichts mitbekommen hatte?

Der Vortrag „Microservices mit Kotlin und Ktor“ hat bei mir sehr viel Interesse geweckt. Ktor ist ein komplett in Kotlin geschriebenes Framework zum Erstellen von Webservern und soll durch wenig Overhead eine gute Performance bieten. Damit ist Ktor ein möglicher Kandidat, wenn man über den Tellerrand von Spring hinaus schauen möchte.

Außerdem wurden verschiedene Gadgets bzw. zusammengebaute Spielereien wie ein Süßigkeitenspender mit Kalorienzähler mit dem wunderbaren Namen „Internet of Candy“ (angelehnt an IOT- Internet of Things) präsentiert. Ein kleiner Computer (z.B. ein Raspberry Pi) zählt die Menge an Süßigkeiten, die entnommen wurden, und zeigt auf dem Monitor an, wie vielen Kalorien diese Menge entspricht. Eine mögliche Unterzuckerung während des Events konnte damit verhindert werden (lacht).  

Ok. Das waren jetzt sehr viele Informationen, danke dafür. Fällt dir ein abschließender Satz ein, der die Konferenz zusammenfasst?

Ich würde sagen: „Technologien auf hohem Niveau im familiären Umfeld der Hamburger Entwicklercommunity.“

Das Interview wurde von Carlos geführt.

Daniel Nisch