Unified-Livegang

Im Frühsommer wurde bei subshell ein großes Projekt erfolgreich abgeschlossen: der Einzug von tagesschau.de in Unified, dem Multimandantensystem für Sophora.

subshell Online Meeting Reaktionen
subshell Online Meeting Reaktionen (Bild: subshell GmbH/Alle Rechte vorbehalten)

Was es damit auf sich hat und wie das Projekt aus Sicht des subshell-Teams lief, erzählen uns die Unified-Projektmanagerin Melanie sowie Thomas, der als Entwickler im Team Komodo daran mitgewirkt hat. 

Melanie, für all diejenigen, die sich nichts darunter vorstellen können, erklär uns doch mal in wenigen Worten, was Unified überhaupt ist?

Melanie: Vor vielen Jahren entstand zusammen mit dem NDR die Idee, dass nicht jede Landesrundfunkanstalt oder Gemeinschaftseinrichtung ein eigenes Sophora benötigt, sondern dass es aus Produkt- und Kostengesichtspunkten vorteilhaft sein könnte, in eine gemeinsame Sophora-Umgebung einzuziehen. Und das ist jetzt Unified. Hier können mehrere Mandanten einziehen. Den Anfang haben die Sportschau, die Tagesschau und der NDR gemacht. Die Sportschau ist am 8. Juni 2022 in Unified live gegangen.  Im April 2023 konnten wir die Tagesschau live hinzufügen. Und wenn alles gut läuft, dann zieht 2024 der NDR in Unified ein.

Warum war das ein so wichtiges und großes Projekt – sowohl für die Tagesschau als auch für subshell?

Melanie: Zum einen ist es so, dass sich die Mandanten beim Unified-Projekt auf ein einheitliches Dokumentenmodell einigen müssen. Das ist gar nicht so einfach, weswegen es im Vorfeld viele Gespräche gab, um sich auf die gleichen Dokumenttypen und die gleiche Logik zu einigen. Das heißt, das Projekt war nicht nur in den Vorbesprechungen sehr groß, sondern auch in Hinblick auf die Vorbereitung und das Mapping der bestehenden Strukturen. Wir mussten die ganze Logik einmal durchdenken und bestimmen, was später alles noch funktionieren muss. Außerdem fanden viele Absprachen auch mit externen Dienstleistern statt

Thomas: Das war auf jeden Fall ein Großprojekt mit vielen Risiken, da noch sehr viel ungewiss war. Und wie es so ist bei Großprojekten waren die Anforderungen zu Beginn noch nicht ganz klar. 

Thomas, weißt du noch, wann ihr mit dem Projekt angefangen habt und wie lange es euch begleitet hat?

Thomas (überlegt): Bestimmt schon länger als ich bei subshell bin. Ich bin jetzt seit 2,5 Jahren bei subshell, aber die Vorbereitungen haben schon eher angefangen. Die heiße Phase der Umsetzung begann allerdings im Sommer 2022. 

Melanie: Ich habe eben mal nachgeguckt. Das erste Kick-Off mit der Tagesschau war im Oktober 2021. Da haben wir bereits mit den Vorbereitungen begonnen.

Thomas, hast du dann seit Sommer exklusiv an diesem Thema gearbeitet?

Thomas: Es gab auch noch andere Dinge nebenher, aber ich habe bestimmt zu 80 Prozent für das Projekt der Tagesschau gearbeitet. Es war für das gesamte Team der Schwerpunkt. Dabei gab es zwei Hauptbereiche: zum einen die Migration des Artikel- und Dokumentenbestandes, was eine riesige Aufgabe darstellte, denn wir mussten alle bestehenden Artikel umwandeln und in das neue Dokumentenmodell überführen. Und zum anderen die über Jahre gewachsenen Tools, die alle gleichzeitig zu einem bestimmten Stichtag in dem neuen System in Betrieb gehen mussten. Das war eine krasse Aufgabe! Aber das Schönste an dem Projekt war, dass die Kunden davon gar nichts mitbekommen haben. Letztlich geht es tatsächlich darum, dass an dem Tag der Umstellung nichts passiert ist. Website, Apps - alles war noch da, als wäre gar nichts gewesen!

Hattest du deswegen schlaflose Nächte?

Thomas: Schlaflos nicht. Aber es war schon so, dass ich im Herbst noch ein komisches Bauchgefühl hatte, weil ich nicht genau absehen konnte, was noch alles auf uns zukommt. Ab Januar/Februar änderte sich das dann. Ab da war das Ende abzusehen und ich hatte das Gefühl, dass wir das hinkriegen. Vorher war der Berg mit den Aufgaben einfach zu groß.

Oft ist zu Beginn von Softwareprojekten ja noch gar nicht ganz klar, wohin die Reise gehen wird. War das bei diesem Projekt anders?

Thomas: Nun ja, das System der Tagesschau ist über Jahre gewachsen und es kamen immer mehr Features in die Software. Außerdem gab es nirgends eine vollständige Spezifikation. Das heißt, wir mussten viel Reverse Engineering (Anm: Der Begriff beschreibt die Erstellung eines Planes durch die Analyse eines Systems und deren Komponenten untereinander) betreiben, um das nachzubauen. Das war natürlich eine große Herausforderung und ein Knackpunkt, weil man das so schlecht abschätzen konnte. Ein kleines Feature kann bei näherer Betrachtung ja durchaus komplex sein. 

Melanie: Außerdem war es ein agiles Projekt. Das heißt, es gab nur grobe Arbeitspakete und man wusste noch gar nicht, wie viel Aufwand dahinter steckt. Und hinzu kam, dass wir noch das alte System parallel am Laufen hatten, wo dann auch noch Änderungen gemacht wurden, die dann in das neue System integriert werden mussten.

Melanie, du in deiner Rolle als Projektmanagerin bist die direkte Schnittstelle zum Kunden. Wie war für dich die Arbeit an Unified?

Melanie: Die Tagesschau betreue ich schon sehr lange, genauso wie das Entwicklungsteam. Deswegen kannten wir die Personen, Ansprechpartner und Teams schon und hatten einen guten Draht zueinander. Was außerdem sehr geholfen hat ist, dass ich für die Tagesschau auch das Projektmanagement und die Rolle des Scrum Masters übernommen habe. Dadurch habe ich sehr viel mitbekommen und wir wussten immer gegenseitig, was der andere jeweils gerade macht. Das hat echt gut funktioniert Außerdem war Unified nicht das erste Projekt dieser Art. Der Relaunch der Website vor einiger Zeit war ähnlich. Da war ich viel beim Kunden vor Ort und auch dasselbe Entwicklungsteam von uns war involviert. 

Thomas: Die Zusammenarbeit mit der Tagesschau fühlt sich tatsächlich sehr vertrauensvoll an. Man wird immer ernst genommen und auch Feedback wird positiv aufgenommen. Das macht sehr viel Spaß, weil man offen in beide Richtungen reden und damit auf Augenhöhe zusammenarbeiten kann. Und dann kann man auch so ein Projekt wie Unified gut stemmen. 

Melanie: Am Anfang stand tatsächlich zur Diskussion, ob wir nicht eine gemeinsame Sprintplanung machen wollen. (lacht)

Die Tagesschau ist ein guter und langjähriger Kunde von subshell. Können wir also festhalten, dass agile Projekte in vertrauten Teams besser umsetzbar sind?

Thomas: Auf jeden Fall - und die gemeinsame Arbeit schweißt noch enger zusammen! Die Kollegen der Tagesschau legen viel Wert auf unsere Meinung. Wir wurden auch oft beratend angefragt und das erleben wir nicht bei jedem Kunden. Wir können eben auch offen und ehrlich miteinander kommunizieren. 

Thomas, wie fühlt es sich an, wenn man so ein großes Projekt erfolgreich abgeschlossen und einen Kunden zufrieden gemacht hat?

Thomas (schmunzelt): An dem Tag der Umstellung hatte ich auf jeden Fall ein ungläubiges Staunen im Gesicht, dass nichts passiert ist. Es wurde auf das neue System umgeschaltet und es hat alles funktioniert! Das hab ich nicht so richtig fassen können. (lacht) Man ist natürlich zufrieden und stolz, dass man zusammen mit dem Kunden so gute Arbeit geleistet hat und die ganzen Herausforderungen so toll gemeistert hat. Das ist schon ziemlich geil!

Melanie: Als die Umstellung auf das neue System erfolgen sollte, habe ich im Sprint dem Team ganz viel Puffer gelassen für die Dinge, die nicht berücksichtigt worden waren und noch kurzfristig erledigt werden mussten. Fehler und so. Und dann kam das Team und meinte, sie hätten nichts mehr zu tun. (lacht)

Thomas: Wir hätten das auch nicht gedacht, dass das so gut lief. An dieser Stelle auch nochmal ein großes Lob an das Team der Tagesschau, das bei der ganzen Umstellung auch die Ruhe bewahrt hat, auch wenn kurz mal etwas nicht abrufbar war. Es macht einfach sehr viel Spaß, mit so einem Kunden zusammenzuarbeiten.

Als das Projekt abgeschlossen war, gab es einen kleinen internen Sektumtrunk bei subshell. Was habt ihr gemacht und wie war eure Feier?

Melanie: An dem Projekt waren ja teilweise auch noch andere Teams beteiligt, nicht nur Komodo. Deswegen kam diese Abschlussfeier total gut an und es war so schön, darauf anzustoßen und darüber zu sprechen. Es gab Sekt, Snacks und Partymusik. (lacht). 

Wenn nun der nächste Kunde zu Unified will, würdet ihr euch freuen, so ein Projekt nochmals begleiten zu dürfen?

Thomas: Das gab’s ja schon! Unser Team wurde angefragt, ob wir das für den NDR auch umsetzen. Machen wir also schon. (grinst)

Melanie: Wann das dann fertig ist, müssen wir noch sehen, aber wir schätzen, dass es in einem Jahr so weit sein könnte. 

Danke euch beiden für das nette und ausführliche Gespräch. Dann würde ich sagen, wir sprechen uns in einem Jahr wieder, wenn der NDR in Unified live geht.

Gisa Stubenrauch
Gisa Stubenrauch
31.07.23
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