Projekt „Nach-Elternzeit“

26.01.2018

Als meine kleine Tochter geboren wurde, hätte ich nie gedacht, dass ich zwei ganze Jahre mit ihr zu Hause verbringen würde, bevor ich wieder arbeiten gehe. Aber die Zeit mit Baby vergeht wie im Flug und plötzlich habe ich ein Kita-Kind und befinde mich auf dem Weg ins Büro.

Es ist ein merkwürdiges Gefühl, die vielen vertrauten Gesichter wieder zu sehen, wieder im selben Büro zu sitzen und von Projekten zu hören, die mich vor zwei Jahren schon begleitet haben. Es fühlt sich ein wenig wie eine Zeitreise an, aber irgendwie ist doch alles anders: Es gibt nicht nur vertraute Gesichter, sondern auch einige neue. Viele Projekte kommen mir allzu bekannt vor, aber sie sind nicht mehr genau so, wie ich sie in Erinnerung habe. Sie haben sich verändert, wurden größer oder kleiner, sind abgeschlossen oder inhaltlich erweitert worden.

Ich fühle mich wie eines dieser Projekte. Ich bin zwar noch dieselbe wie vor zwei Jahren, aber irgendwie habe ich mich verändert. Durch meine Tochter hat sich mein Leben erweitert, wurde größer, anders, besser!

Es ist schön, wieder hier zu sein. Der Empfang ist herzlich, mit Blumen, Luftschlangen und Schokolade. Viele begrüßen mich mit einem Lächeln und sagen, dass sie sich freuen, dass ich wieder da bin. Und auch wenn mir morgens der Abschied von meiner Tochter nicht leichtfällt, so fühlt es sich doch überraschend gut an, wieder im Büro zu sein.

Die ersten Tage vergehen rasend schnell und erstaunlicherweise denke ich nur selten an meine Tochter, die hoffentlich fröhlich in der Kita herumturnt. Ich bin abgelenkt durch die vielen neuen Themen, in die ich mich einarbeiten muss und bin damit beschäftigt, mir die neuen Gesichter und Namen einzuprägen.

Elternzeit

Aber bereits in den ersten beiden Wochen passiert genau das, was mir von anderen Eltern mit Kita-Kindern bereits prophezeit wurde: Das Kind wird krank. Mein Arbeitsalltag wird komplett durcheinander gewürfelt und ich strapaziere die Geduld meiner Teamkollegen und meines Chefs. Schnell merke ich jedoch, dass das Thema Familienfreundlichkeit hier bei subshell nicht nur ein Schlagwort ist, sondern tatsächlich gelebt wird. Ich kann die Stunden problemlos gemäß meinen Möglichkeiten nacharbeiten und ernte dafür von vielen ein wissendes Nicken und einen mitfühlenden Blick. In meiner zweijährigen Abwesenheit wurde nämlich nicht nur meine Tochter geboren, sondern auch erstaunlich viele andere Kinder von Kollegen. Ich treffe daher auf viel Verständnis für meine Situation – selbst der Chef kann ein Lied davon singen.

Dafür bin ich sehr dankbar, denn es gibt mir das Gefühl, in dieser Firma am richtigen Ort zu sein. Einem Ort, an dem sich Arbeit und Familie tatsächlich vereinbaren lassen und ich mit meinen Sorgen und Ängsten nicht allein bin – egal wie das Projekt heißt!

Gisa Stubenrauch